Elenas Start ins neue Leben

Elenas Start ins neue Leben

Das Viertel in Quito hat schon bessere Zeiten gesehen. Das Haus, in dem Elena Andrango, ihr Mann und die drei Jungs Isaac (9), Cristofer (7) und Estéban (4) eine dunkle kleine Zwei-Zimmer-Wohnung bewohnen, liegt in einer Gegend, die stark heruntergekommen ist. Überall brechen Steine aus Wänden, blättert Farbe ab, bröselt Putz. Hier wohnen jetzt „Indigenas“, die armen Ureinwohner Ecuadors. Viele von ihnen sind in die Hauptstadt gezogen, da hier noch eher etwas zu verdienen ist, als auf dem Land. Viel ist es aber meist nicht.

Elena hatte eine schwere Kindheit. Der Vater starb. Der Stiefvater lehnte sie ab, es hagelte Schläge. „Ich möchte mich nicht an meine Kindheit erinnern“, sagt Elena noch heute. Schon ab 14 musste sie arbeiten. Mit 18 lernte sie ihren Mann kennen. Er ist Bote, ein Job, der nur mit dem ecuadorianischen Mindestlohn bezahlt wird. Bald kam der erste Sohn, Isaac. Die finanzielle Lage verschlimmerte sich. Streit und Schläge waren in der Familie an der Tagesordnung. Sie selbst hatte Familienleben nicht anders gelernt.

Hilfe im Centro Comunitario

Als Isaac zwei bis drei Jahre alt war, kam sie mit ihm zum Centro Comunitario der SOS-Kinderdörfer. Das sind Kindergärten und Horte, die von SOS angeregt und unterstützt werden, allerdings von der Nachbarschaft im Viertel selbst getragen und aufrechterhalten werden müssen. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist das Stichwort dieser SOS-Programme.

In den Centros Comunitarios können arme Familien ihre Kinder tagsüber unterbringen, um für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Die Kinder werden dort umsorgt und bekommen – das ist sehr wichtig – dreimal am Tag etwas Ordentliches zu Essen. Viele Familien haben nicht genug Geld, um die Kinder gut zu versorgen.

Mit den oft alleinstehenden Müttern erstellen die SOS-Sozialarbeiter im Rahmen einer Zukunftsplanung einen so genannten Familienplan, der regelmäßig überprüft und weitergeschrieben wird. Dabei stellt sich meist heraus, was neben Armut und fehlender Bildung in der Familie noch im Argen liegt. Bei Elena war es die harte Erziehung, die sie an ihre Kinder weitergab. Deshalb erhielt sie von SOS eine psychologische Betreuung. Durch sie erkannte Elena, dass ihre Kinder das gleiche durchmachten, wie sie damals. „Seither schlage ich meine Kinder nicht mehr. Sie sollen einen besseren Start ins Leben haben als ich“, sagt sie.

Die Zukunft in die Hand nehmen

Im Rahmen der Erstellung des Familienplanes stellte sich auch heraus, dass Elena eine gute Köchin ist. So riet ihr der SOS-Sozialarbeiter, Essen zu kochen und auf der Straße zu verkaufen. „Papas con Cuero“ – Schweinebauch mit Kartoffeln, ist in den Armenvierteln von Quito ein beliebtes, traditionelles Gericht. Elena verkauft täglich  50 Portionen, die sie zu Hause kocht und auf den Straßen feilbietet. Sie verdient damit meist mehr als ihr Mann.

Heute geht nur noch der kleinste Sohn, Estéban, in den SOS-Kindergarten. Die beiden großen sind in die Schule. „Sie sollen es einmal besser haben, dazu brauchen sie eine gute Ausbildung“, sagt Elena. Durch das eigene Einkommen und die psychologische Betreuung hat Elena deutlich Selbstbewusstsein gewonnen. Sie legt nun auch Wert darauf, die Beziehung mit ihrem Mann zu verbessern und konnte ihn davon überzeugen, mitzumachen. So managt Elena nicht nur ihr kleines „Unternehmen“, sondern sorgt auch dafür, dass die dunkle kleine Wohnung ein liebevolles Zuhause für die ganze Familie wird.

Nachhaltige Hilfe in ganz Lateinamerika

1963 wurde das erste SOS-Kinderdorf in Lateinamerika in Quito/Ecuador eröffnet. Heute gibt es in Lateinamerika 127 Kinderdörfer, 8 Hermann-Gmeiner-Schulen und 22 SOS-Berufsausbildungszentren. In den 138 Sozialzentren betreuen die SOS-Kinderdörfer rund 40.000 Familien mit insgesamt 90.000 Kindern. Insgesamt unterstützt SOS in Lateinamerika 163.000 Kinder und Erwachsene.

Erfahren Sie hier mehr über die SOS-Kinderdörfer in Lateinamerika.

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